SCHULHAUSAREAL GREVAS
Machbarkeitsstudie Arealentwicklung, Ersatzneubau, St. Moritz 2015–2017
Projektteam: Ramiro Chiriotti, Stephan Rutz
Aufgabenbereich: Städtebau, Baurecht, Umgang mit Bestand, Bauetappierung, Raumprogramm

Kunde: Bauamt St. Moritz, Claudio Schmidt, Leiter Bauamt
Bearbeitung: 2015/2016
Statik: Edy Toscano AG, Pontresina


AUSGANGSLAGE


SCHULHAUS GREVAS
 
Die bestehende Schulanlage wurde durch die Einwohnergemeinde St. Moritz an der Via Scuola 6 erbaut. Auszug aus dem Bauinventar St. Moritz: 
 
1967 Baujahr
ArchitektIn Flurin Andry & Pia Andry-Guiauque, Biel
1996 Erweiterungsbau Ostseite
ArchitektIn Josef Troxeler & Roland Hirzer, St. Moritz-Champfèr
Bewertung: beachtenswert, Situationswert

 
 
ANPASSUNGSBEDARF
 
Heute besteht grosser Bedarf an Investitionen zur Anpassung an die verschiedensten Anforderungen:
–   Anpassung Raumprogramm an heutige didaktische Modelle (vgl. Empfehlungen für Schulhausanlagen Kanton Zürich)
–   Turnhallendimension und Sicherheit (vgl. Empfehlungen für Schulhausanlagen Kanton Zürich), respektive Bundesamt für Sport BASPO
–   Energie (Anforderungen Energiestadt St. Moritz)
–   Hindernisfreie Bauten (Gleichstellungsgesetz)
–   Statik Erdbebensicherheit (Normenanpassung)
–   Brandschutz (Normenanpassung)
–   Schall, Akustik (Normenanpassung, Bauweise)
–   Haustechnik (Lebensdauer Geräte)
 
 
BISHERIGE STUDIEN
 
Folgende Studien haben sich bereits mit dem Zustand der Anlage und mit allfälligen Erweiterungen auseinandergesetzt und den notwendigen grossen Aufwand dargestellt:
 
Erkenntnisbericht – Schulraumplanung, Phase II
Planpartner AG, 2011
 
Machbarkeitsstudie Bildungszentrum Grevas, 
Schulraumplanung, Phase III
Clavuot, dipl. Architekt ETH/SWB, 2012
 
Zustandsanalyse, Sanierungsmassnahmen 
Schulhaus Grevas St. Moritz
Lemon Consult GmbH, 2015
 
Diese Studien zeigen den Anlagenzustand und die notwendigen Massnahmen deutlich auf. Insbesondere betreffend Energiefragen und räumlicher Erweiterungen/Anpassungen des Raumprogramms an die heutigen schulischen Anforderungen erfolgen klare Hinweise. Sie zeigen den sehr grossen Anpassungsbedarf der gesamten Schulanlage in all den verschiedenen Themen auf. In einzelnen Punkten wie z.B. Erdbebennormen wird jedoch lediglich auf einen späteren Zeitpunkt verwiesen. Dies jedoch im Vorab zu klären ist für die Projektarbeit und deren Kostenfolgen unerlässlich.
 
 
MASSNAHMEN UND SCHULBETRIEB?
 
In allen Studien bleibt jedoch unbesprochen, wie die notwendigen baulichen Massnahmen bei laufendem Schulbetrieb von statten gehen sollen. Wie lange dauern die Bauarbeiten und wohin wird der Schulbetrieb während der Bauzeit ausgelagert?
 
Die Eindringtiefe der notwendigen Massnahmen in die Bausubstanz auf Grund der Berichte macht klar, dass während der Bauzeit am Bestand ein Schulbetrieb im gleichen Haus nicht in Frage kommen kann. Ebenso ist eine Etappierung von Bauarbeiten innerhalb des Gebäudes ausgeschlossen. Die Bauarbeiten würden auf Grund der Betonstruktur den laufenden Schul-betrieb durch Lärmimmissionen unerträglich machen. Die Staubimmissionen würden den laufenden Betrieb ebenfalls zu schwer beeinträchtigen. Fragen zu einem allfälligen etappenweisen Vorgehen von Neubau, Umzug und Abbruch wurden in der ersten Phase dieses Berichtes untersucht. Die Weiterbearbeitung der Studie mit intensiver Auseinandersetzung mit dem Bestand zur Abwägung einer allfälligen Weiternutzung der bestehenden Rohbaustubstanz oder Teilen davon wurde parallel begleitet durch die bauingenieurtechnische Beurteilung der Baustruktur und den notwendigen Ertüchtigungsmassnahmen.
 
 
GRUNDSÄTZE DES VORGEHENS
 
Drei Szenarien für den Um-/Erweiterungsbau oder Ersatzneubau
 
Szenario A
Um- Erweiterungsbau unter Nutzung des Bestandes (oder Teilen davon), Einsatz eines externen Schulbauprovisoriums zur Auslagerung des gesamten Schulbetriebes während der Bauzeit. 
 
Szenario B
Ersatzneubau auf dem Areal Grevas ohne externes Provisorium, realisierbar in Etappen bei laufendem Schulbetrieb. Der Baustellenlogistik hinsichtlich Schulbetrieb ist speziell Achtung zu schenken.
 
Szenario C
Ersatzneubau auf dem Areal Grevas mit externem Provisorium. Diese Variante wird in der Machbarkeitsstudie nicht bearbeitet.
 
Aufrechterhaltung Schulbetrieb
Der Schulbetrieb soll möglichst lange mit möglichst vielen verfügbaren Schulzimmern funktionieren. Die Lösung, ihre allfällige Etappierung und/oder Provisorien müssen dies berücksichtigen.
 
Sicherheit
Das Nebeneinander von Schulbetrieb und Baustelle ist unter dem Aspekt der Betriebssicherheit genau zu analysieren und in die Projektvorschläge einzuarbeiten.UAN, BAUFELDEINTEILUNG
 
Spezieller, flexibler Schulbetrieb
Die Schulleitung hat sich bereit erklärt, den Schul-betrieb während der Bauzeit möglichst flexibel zu gestalten. Dabei können gewisse Schulstunden alternativ abgehalten werden wie z.B. Handarbeit, Kochen, Sport. Insbesondere das Sportangebot ist auch ausserhalb der Schulanlage breit.
 
Verzicht auf Schulräume während der Bauzeit
Die Schulleitung hat ebenso die Möglichkeit in Betracht gezogen, u.a. für den Schulsport während mehrer Jahre Bauzeit auf die Turnhallen verzichten zu können. Das definitive Raumprogramm beinhaltet entsprechende Hinweise. Dies kann in Etappierungsvorschlägen berücksichtigt werden. Es liegt in der Natur der Sache, die Zeiträume des Verzichtes so kurz wie möglich zu halten. Hingegen müssen die Schulräume immer voll ausgerüstet zur Verfügung stehen.
 
Lärm
Jede Baustelle macht Lärm. Die vorhandene Betonstruktur ist zudem für viele kleine Bauetappen ungeeignet. Auch wenn sich die Schule über den Baustellenlärm im Klaren ist und für die Bauzeit auf eine flexible Unterrichtsplanung eingestellt ist, soll die Etappierung die Immissionen so gut wie möglich beschränken.
 
Entflechtung der Wege/Erschliessung
Um sowohl den Schulbetrieb und die Baustelle bestmöglich führen zu können, sollen deren Wege/Erschliessung so gut wie möglich entflechtet werden.
 
Seeuferschutzzone
Die Einbettung in den Hang ist genau abzuwägen. Die Seeuferschutzzone belastet einen Teil des Areals mit einer Einschränkung, darüber hinaus ist die Ansicht vom See her sehr wichtig: wie tritt die Schulanlage städtebaulich in Erscheinung.
 
Aussicht Nachbargebäude
Die Lage am Hang ist hinsichtlich der Aussicht sehr sensibel. Die Einbettung in den Hang und die Stellung der neuen Gebäudevolumina sollen die Beeinträchtigung der nachbarschaftlichen Aussichten möglichst klein halten.
 

RAUMPROGRAMM


NUTZUNGSGRUPPEN

Das Raumprogramm kann nach Nutzungsgruppen aufgeteilt werden. Dies erfolgt gemäss ihrem Charakter von Nutzung schul-intern oder schulischer Funktion mit Bezug nach aussen (Aula, Sporthallen, Kochen, etc.). Dazu können folgende Hauptnutzungsgruppen formuliert werden:
 
I – Unterrichtsräume
Schulzimmer
Musikzimmer, Spezialzimmer
Notwendige Nebenräume

II – Administration
Schulleitung
Lehrerzimmer
Administration

III – Eingangsbereiche, Foyer, Aula
Eingangsbereiche, Unterstufe, Oberstufe
Aula mit Foyer, Bühne mit notwendigen Nebenräumen

IV – Dreifachturnhalle
Dreifachturnhalle mit dennotwendigen Nebenräumen, Zugang zu den Aussenanlagen

V – Hausdienst, Lagerräume

VI – Infrastruktur, Haustechnik

VII – Verkehrsfläche

A – Aussenanlage
Hauptzugang, Verbindung See/ Dorf, Sportplatz, Pausenanlage, Parkierung
SD – Schulhaus Dorf
Im Raumprogramm Provisorium während Bauphase wird davon ausgegangen, dass eine Lösung mit Einbezug des Schulhaus Dorf erstellt werden kann.


BESTAND – NEU – PROVISORIUM MINIMAL

Für die Festlegung des Raumprogrammes wurden in verschiedenen Arbeitschritten folgende Flächen ermittelt:
–      Bestand Grevas
–      Schulzentrum Grevas Neu
–      Provisorium extern minimal
 
 
FAZIT
 

BILDUNGSZENTRUM GREVAS
 
Szenario A
Um- Erweiterungsbau unter Nutzung des Bestandes (oder Teilen davon), Einsatz eines externen Schulbauprovisoriums zur Auslagerung des gesamten Schulbetriebes während der bauzeit. Die Integration von Baustrukturteilen des Bestandes in die Erweiterung und das  Erstellen der notwendigen Hauptnutzflächen HNF kannschematisch in vier Varianten nachgewiesen werden.
 
Szenario B
Ersatzneubau auf dem Areal Grevas ohne externes Provisorium, realisierbar in Etappen bei laufendem Schulbetrieb. Der Baustellenlogistik hinsichtlich Schulbetrieb ist speziell Achtung zu schenken. Eine zusätzliche Variante mit spezifischen Bauetappen hinsichtlich des bestehenden Gebäudes weist die Möglichkeit erneut nach. Der Vollständigkeit halber sind die Volumetrien der Studien aus der Bearbeitungsphae 1 Frühjahr 2016 ebenso dargestellt.
 
Szenario C
Ersatzneubau auf dem Areal Grevas mit externem Provisorium. Die Rahmenbedingungen dazu sind im Teil Baurecht dargelegt. Auf die Darstellung allfälliger Ersatzneubauten wurde bewusst verzichtet.
 
Ersatzneubau mit genügend GF/HNF
Auf dem Areal Grevas ist die gewünschte Erweiterung des Bildungszentrums nach allen drei Szenarien möglich. Die dazu notwendigen Geschossflächen GF respektive die Hauptnutzflächen HNF mit Tageslicht für das Raumprogramm können schematisch nachgewiesen werden.
 
Landschaftsarchitektur
Die Aussenraumgestaltung mit der Bearbeitung des Hanges mit einer allfälligen provisorischen Baustellenerschliessung ist für das Erscheinungsbild der Anlage vom See her entscheidend.
Die Verknüpfung der verschiedenen öffentlichen Wege, welche über das Areal führen, sind für die Einbettung in den Dorfkontext sehr wichtig.
 
Provisorische Baustellenzufahrt
Da für die Umsetzung der Ersatzneubauszenarios gemäss Szenarion B die mögliche provisorische Baustellenzufahrt von der Kantonsstrasse her eine Schlüsselposition einnimmt, muss diese Möglichkeit durch eine Unternehmerbeurteilung, allenfalls auch einen Verkehrsplaner erhärtet werden.
 
Geologie
Abklärungen zum Untergrund sollten vor Auslobung des Wettbewerbes erfolgen. Handelt es sich beim Aushubmaterial um frühere Aufschüttungen (Vermutung auf Grund historischer Fotoaufnahmen) oder um Fels? Wo, wieviel? Dies kann für die Realisierung einen wichtigen Kostenfaktor bedeuten.
 
 
««